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Projektbericht 2007
Ein anderes Indien

Mehr als 100 Kinder werden mit beeindruckendem Einsatz von New Light betreut. Zwei von ihnen, die dank der Organisation Aussicht auf eine bessere Zukunft haben, sind Puja* und Rakesh*.

 Foto: Alex Stonehill  




Foto: Alex Stonehill

»Incredible India« - mit diesem Slogan wirbt das indische Tourismusministerium in einer weltweiten Kampagne für Indien. Doch Kalighat, eines der Rotlichtviertel Kolkatas, scheint nicht zu diesem »wunderbaren Indien« zu gehören. Hoffnungslosigkeit prägt nicht nur das Leben der mehr als 1 000 Frauen, die hier in der Prostitution leben, sondern auch das ihrer Kinder.

Puja und Rakesh sind zwei von ihnen. Die Geschwister leben gemeinsam mit ihrer Mutter in einem Zimmer, das kaum mehr Platz bietet als für ein Bett, das gleichzeitig »Arbeitsplatz« ist. Im Gegensatz zu vielen anderen der Kinder Kalighats kennen sie ihren Vater. Er ist Zuhälter für eine Vielzahl vor allem nepalesischer Mädchen und Frauen, die zum größten Teil mit dem Versprechen guter Jobs nach Indien gelockt wurden und nun in Kalighat ausgebeutet werden. Sie und die Mutter von Puja und Rakesh zwingt er - manchmal mit körperlicher Gewalt - weiter ihre Körper zu verkaufen.

Puja ist fünf Jahre alt, ihr Bruder Rakesh 15, und eigentlich wäre es bereits klar, welche Zukunft sie erwartet: Während Rakesh sich mangels Schulbildung als Tagelöhner - wenn nicht sogar mit illegalen Aktivitäten wie sein Vater - durchschlagen müsste, würde seine Schwester Puja eher früher als später in die Prostitution gedrängt werden und das gleiche Schicksal erleiden wie ihre Mutter. Dass beide Kinder die Chance auf ein besseres Leben haben, ist der Verdienst von New Light. Bereits vor drei Jahren wurde die Organisation auf die Situation von Puja und Rakesh aufmerksam und handelte sofort, indem zunächst für Rakesh eine Schule gesucht und gefunden wurde. »Bildung ist der Schlüssel«, so Urmi Basu, Gründerin und Leiterin von New Light, »nur wenn wir es schaffen, den Kindern einen Schulabschluss zu ermöglichen, steht ihnen eine bessere Zukunft offen.«

Doch dieses Ziel zu erreichen ist alles andere als leicht, denn es ist viel Überzeugungsarbeit nötig, um die dringend notwendige Unterstützung der Eltern zu erhalten. So war bei Puja und Rakesh der Vater nicht damit einverstanden, Puja im Soma Memorial Girls Home, dem Wohnheim von New Light außerhalb des Rotlichtviertels, unterzubringen, obwohl dies nach Einschätzung der Organisation dringend notwendig wäre. Aber immerhin gehen beide Kinder inzwischen zur Schule, und New Light bezahlt nicht nur die Schulgebühren, Schulbücher, Hefte und Stifte, sondern kontrolliert außerdem, dass die beiden regelmäßig den Unterricht besuchen. Wenn es Probleme gibt, kümmern sich die Sozialarbeiter der Organisation um Puja und Rakesh, die jeden Tag in die Kindertages- und -nachtstätte kommen. Dort bekommen sie Frühstück und Abendessen, Gesundheitsvorsorge und ganz einfach die Gelegenheit, mit anderen Kindern zu spielen.

Rakesh geht heute in die 8. Klasse einer Schule in der Nähe von New Light und gehört zu den älteren Kindern, die von der Organisation betreut werden. Er war es, der sich gegenüber seinen Eltern am meisten dafür eingesetzt hat, dass auch seine Schwester zur Schule gehen kann. So läuft Puja nun jeden Morgen voller Stolz in ihrer Schuluniform ein paar hundert Meter zu einer nahe gelegenen Schule. »Es ist beeindruckend«, erzählt Urmi Basu, »wie sehr sich die Kinder verändern, wenn sie bei uns jeden Tag für einige Stunden ein anderes Leben kennen lernen als ihren oft von Gewalt geprägten Alltag.«

Es sind inzwischen mehr als 100 Kinder wie Puja und Rakesh, die von New Light betreut werden. Die Arbeit von New Light zeigt ein anderes Indien als das des indischen Tourismusministeriums: Ein Indien, in dem soziale Probleme nicht mit Hochglanzbroschüren und -plakaten verdeckt, sondern durch Engagement und Kreativität überwunden werden können.

* Namen geändert

Dieser Text wird von Stephan Weber und der
BONO-Direkthilfe e.V. unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.
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